Geburtshilfe

Selbstbestimmte Geburt – individuell begleitet und medizinisch sicher

Nahaufnahme von lächelndem Gesicht einer Person mit geschlossenen Augen.Nahaufnahme eines lächelnden Gesichts mit geschlossenen Augen und klarer Haut.

Schwangerschaft und Geburt sind Ausdruck einer beeindruckenden körperlichen Fähigkeit und zugleich ein sehr persönlicher Lebensabschnitt. Grundsätzlich ist der Körper darauf vorbereitet, ein Kind zur Welt zu bringen. Ich bin davon überzeugt, dass Geburt ein natürlicher Prozess ist, der in der Regel keine Interventionen erfordert.

Moderne Geburtshilfe bedeutet für mich, den Wunsch nach der natürlichen und selbstbestimmten Geburt mit aktuellen und evidenzbasierten Empfehlungen zu verbinden, um Ihre Autonomie und Sicherheit gleichsam zu fördern. Hierfür gebe ich meinen Patientinnen den Raum ihre Fragen zu beantworten und sie in allen Phasen zu begleiten: vor, während und in der Zeit nach der Geburt.

Natürliche und selbstbestimmte Geburt

Eine natürliche Geburt wirft für viele Frauen ganz konkrete Fragen auf: Was passiert während der Geburt? Wie viel Kontrolle habe ich über den Ablauf? Wie gehe ich mit Schmerzen um? Und was passiert, wenn doch eingegriffen werden muss?

Viele Schwangere wünschen sich, natürlich zu entbinden, haben aber gleichzeitig Sorge, die Situation nicht steuern oder den eigenen Körper nicht richtig einschätzen zu können. Die Sorge, dass eine interventionsarme Geburt im Rahmen der eigenen Möglichkeiten im Hinblick auf Anatomie oder Schmerzempfindlichkeit nicht realistisch und ohne medizinische Maßnahmen nicht möglich ist, beschäftigt werdende Mütter gerade gegen Ende der Schwangerschaft stark.

Im Rahmen der Geburtshilfe ist es mir wichtig, diese Fragen frühzeitig aufzugreifen und gemeinsam mit Ihnen zu beleuchten. Eine selbstbestimmte Geburt entsteht nicht spontan im Kreißsaal, sondern beginnt mit Verständnis und Vorbereitung: Was passiert im Körper? Welche Möglichkeiten gibt es? Und welche Entscheidungen können Sie selbst treffen? Auch Themen wie eine natürliche Einleitung der Geburt oder eine natürliche Wehenförderung besprechen wir im Vorfeld.

Kaiserschnitt
Sie allein entscheiden

Geburt als biografisches Ereignis

Ich verstehe die Geburt als ein biographisches Ereignis, welches das Selbstbild beeinflussen kann; als möglichen emotionalen Wendepunkt, als Übergang in eine neue Lebensphase. Ein unterstützendes Umfeld, eine kontinuierliche Begleitung und echte Mitbestimmung tragen wesentlich zu einem positiven Geburtserlebnis bei.

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Schmerzlinderung bei der Geburt

Jede Gebärende empfindet Schmerzen während der Wehen und bei der Geburt unterschiedlich stark. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Schmerzen „normal“ oder „vermeidbar“ sind, sondern wie Sie persönlich damit umgehen möchten.

Ich verstehe Schmerzlinderung bei der Geburt nicht als Gegenspieler einer natürlichen Geburt, sondern als Teil eines individuellen und selbstbestimmten Weges. Ob eine Geburt ohne Schmerzmittel für Sie infrage kommt oder ob Sie sich bewusst für den Einsatz von schmerzlindernden Maßnahmen entscheiden, ist eine persönliche Entscheidung.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern, von unterstützenden Maßnahmen bis hin zu medikamentösen Verfahren:

  • Natürliche Schmerzlinderung bei der Geburt kann durch Atemtechniken, Bewegung, Positionswechsel, Massage oder Wärme (z. B. im Wasser) unterstützt werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der elektrischen Nerven-Stimulation über die Haut (TENS), bei der mittels Klebe-Elektroden am Rücken das Schmerzempfinden unter den Wehen spürbar verringert wird. Diese Methoden helfen vielen Frauen, aktiv mit den Wehen zu arbeiten und den Geburtsverlauf bewusst zu erleben.
  • Ergänzend können komplementärmedizinische Verfahren wie Akupunktur oder Aromatherapie eingesetzt werden.
  • Bei stärkerem Schmerz stehen Lachgas oder moderne, von der Gebärenden selbst gesteuerte Verfahren (PCA) als Schmerzmittel bei der Geburt zur Verfügung.
  • Die wirksamste Form der Schmerzlinderung ist die Geburt mit PDA (Periduralanästhesie). Sie kann Schmerzen deutlich reduzieren, ohne dass Sie das Geburtserlebnis nicht mehr vollständig wahrnehmen können.

Auch im Rahmen einer Bauchgeburt spielen Schmerzmittel eine wichtige Rolle. Eine PDA beim Kaiserschnitt oder eine Spinalanästhesie ermöglichen eine schmerzfreie Operation bei gleichzeitigem Bewusstsein.

Wichtig ist, sich im Vorfeld über die Vor- und Nachteile einer PDA zu informieren: Sie bietet eine sehr effektive Schmerzlinderung, kann aber auch Einfluss auf Beweglichkeit und Geburtsverlauf haben.

Deshalb empfehle ich, sich frühzeitig mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. So können Sie während der Geburt Entscheidungen treffen, die zu Ihrer Situation passen und sich auch im Verlauf der Geburt jederzeit neu orientieren.

Bonding nach der Geburt und der Start als Familie

Die aktive Einbindung von Partner:in oder Vertrauenspersonen während der Schwangerschaft kann dazu beitragen, das Geburtserlebnis als gemeinsames Ereignis wahrzunehmen.

Die ersten gemeinsamen Stunden und Tage nach der Geburt sind für das Bonding unwiederbringlich. Der unmittelbare körperliche Haut-zu-Haut-Kontakt nach einer vaginalen Geburt oder auch nach einer Bauchgeburt (Sectio) fördert die emotionale Bindung, die Stabilisierung des Neugeborenen und stärkt das Vertrauen der Eltern in ihre neue Rolle.

Nahaufnahme von Gesicht einer dunkelhäutigen Person mit geschlossenen Lippen und langem Wimpernkranz.

Stillen nach der Geburt

Ebenso entstehen beim Stillen nach der Geburt, beim Füttern durch Hautkontakt, Blickkontakt und Ruhe wertvolle Bindungserfahrungen, die Ihrem Baby Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Intuitiv gelingt das erste Stillen nach der Geburt normalerweise sehr gut. Wenn Sie es wünschen, werden Sie bei diesen ersten Stillversuchen von der Sie betreuenden Hebamme begleitet.

Auch beim Stillen nach dem Kaiserschnitt, also der Bauchgeburt, ist ein früher Hautkontakt möglich und sinnvoll; mit etwas Unterstützung kann das Anlegen meist bereits in den ersten Stunden gelingen. Eventuell muss die Positionierung aufgrund der Operationsnarbe etwas angepasst werden.

Babys sollten in den ersten sechs Monaten ausschließlich oder zumindest überwiegend gestillt werden. Danach bleibt ergänzendes Stillen mindestens bis zum ersten Geburtstag weiterhin empfehlenswert. Damit das besser gelingen kann, benötigen Stillende neben der Unterstützung durch Partnerschaft und Familie mehr Unterstützung von Politik und Gesellschaft: für die Vereinbarkeit von Beruf und Stillen und für eine offene und stillfreundliche Gesellschaft.

Persönliche Begleitung

Jede Schwangerschaft und jede Geburt ist anders. Umso wichtiger ist eine Begleitung, die sowohl medizinische Erfahrung als auch ein Gespür für individuelle Bedürfnisse verbindet.

Mir ist es wichtig, dass Sie sich mit Ihren Fragen, Unsicherheiten und Vorstellungen gesehen fühlen. In einem gemeinsamen Gespräch klären wir, welche Optionen es gibt und welcher Weg für Sie stimmig ist: Fachlich fundiert und mit dem Blick für das, was Ihnen persönlich wichtig ist.

Lächelnder Mann mit Brille trägt weißen Arztkittel vor hellem Hintergrund.

Dr. med. Stefan Ollig
Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe